Verlässlichkeit für viele Jahre…

…war einmal der Slogan eines Haushaltsgeräteherstellers. Ähnliche Verlässlichkeit würde man sich als Lehrperson, die in ihrem Unterricht auf digitale Nutzung setzt, auch von Webtools erhoffen. Doch weit gefehlt. Beim Check meiner Linksammlung musste ich leider feststellen, dass es eine Reihe von Tools und Apps, die ich in den vergangenen Jahren vorgestellt habe, nicht mehr gibt. Und so wird meine Liste nicht von Jahr zu Jahr länger, sondern kürzer.
Nun ist das weiter nicht verwunderlich, da auch im Internet die Regeln der Marktwirtschaft gelten, doch stellen sich mir als Lehrer gleich zwei Fragen:

  • Auf welche Tools kann/soll ich setzen?
  • Was passiert mit meinen mühevoll erstellten Inhalten, wenn ein Tool vom Markt verschwindet?

Auf erste Frage würde man vielleicht antworten, dass es sinnvoll ist, Tools namhafter Hersteller einzusetzen, da die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass diese Werkzeuge wieder verschwinden, doch auch das gilt nur bedingt. So wird beispielsweise docs.com mit Ende des Jahres von Microsoft eingestellt und schon Ende Juli wird der Microsoft Classroom durch Microsoft Teams ersetzt. Auch die Liste der eingestellten Google-Dienste ist lang.
Eventuell könnte man auch ins Treffen führen, dass bezahlte Dienste wohl seltener eingestellt werden als kostenlose, doch wie viel Geld muss eine Lehrperson bereit sein, zu investieren, um einen halbwegs modernen Unterricht zu ermöglichen?

Noch schwieriger ist die Antwort auf die zweite Frage. Letztlich ist nur sicher, was auf meiner Festplatte gespeichert (und dreifach “gebackupt”) ist. Inhalte, die mit diversen Webtools erstellt wurden und irgendwo auf einem Webserver liegen, können in den seltensten Fällen heruntergeladen und gespeichert werden. Und selbst wenn: das Um und Auf von Materialien ist doch, dass sie bearbeitbar sind (und bleiben). Da ist ein Export als pdf-, Bild- oder Video-Datei doch nur ein begrenzt tauglicher Trost.

Fazit: Wer beim Erstellen von Unterrichtsmaterialien auf Webtools setzt, muss sich im Klaren sein, dass sich seine investierte Zeit und Mühe möglicherweise irgendwann als vergebens herausstellt. Daher empfiehlt es sich, schon bei der Auswahl der Tools auf eine Export- und Sicherungsfunktion zu achten.

R.I.P.:
Ask3, Capira, Docs.com, Knowmia, Snagit für Chrome, Titanpad, Zaption, Zondle – und alle, die ich vergessen habe.

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